Samstag, 24. März 2007

Abfall für Alle

"Michael Rutschky hat den Medizinstudenten Rainald Goetz einige Jahre vor dem Klagenfurter Auftritt kennen gelernt und seitdem gefördert. In verschiedenen von Rutschky herausgegebenen Suhrkamp-Bänden (»Errungenschaften« 1982, »1982. Ein Jahresbericht« 1983 u.a.) sind Texte von Goetz enthalten, die man allesamt als Vorstufen von »Subito« und »Irre« verstehen kann. Rutschkys Projekt, in das er Rainald Goetz einbezieht, ist eine »Ethnographie der Gegenwart«. Der Literaturkritiker Hubert Winkels beschreibt die enge Zusammenarbeit zwischen Rutschky und Goetz in seinem Buch »Einschnitte. Zur Literatur der 80er Jahre."
[aus single-generation]



In 'Irre' [1983] geht Goetz mit drei referentiell aufeinander bezogen Abschnitten den Wahnsinn an und löst die Grenzen des alltäglich Normalen auf.
Was Realität ist, wie sie produziert wird und von wem, ist mit Sicherheit nicht als neuester Fragehorizont auszuweisen, doch die Art und Weise wie es Goetzt gelingt die gesellschaftlichen Errungenschaften in Frage zu stellen, ist für jeden aktuell. Vor allem die eng verbundenen ersten beiden Abschnitte 'Sich Entfernen' und 'Drinnen' bewegen sich in ihren detaillierten Verknüpfungsarrangements an der Grenze der Nachvollziehbarkeit und benennen sich damit gegenseitig. Arzt oder Patient, die Psychosen sind beiden gewiß. Bei den Einen angesprochen, bei den Anderen überlebt, die Einen im mediziniches Vokabular vertreten, die Anderen in ihren Umgangsform Teil der 'Normalität'.
Gemäß dem Motto 'don't cry - work' ist die Funktionstüchtigkeit des Einzelnen - für was? wen? - wesentlich und steigert den Druck.

In 'Abfall für Alle', einem online-Tagebuch, nimmt Goetz vorweg was heute jeder tut.
Das Innen wird Teil des Außen, so dass sich die Ansprüche radikaler dem Außen anzupassen haben. Innen und Außen verschwimmen zu einer Oberfläche: The Pimp Generation!



und er hat noch viel mehr gemacht:

Theaterprojekte
Essays
Artikel
.
.
was mach er jetzt eigentlich?

Echtzeit

Sensorama!
Roman Flügel und Jörn Elling Wuttke heißen einen auf ihrer Insel willkommen. Die DoLP erscheint 1996 auf Ladomat. Für uns das beste ihrer drei Sensorama Alben.



Das Video von Echtzeit passt zu der entrückten Soundästhetik. Maschinisierte Welt, maschiniesierter Mensch.
Die Wunschmaschine mal anders anmachen!!

Am Fließband der Massenware.



the rabbits sleep at helgoland!

über_arbeiten

"»Ueber arbeiten« präsentiert elf Dokumentarfilme, die die Themen Arbeit, Wirtschaft und Globalisierung umkreisen. Die elf Filme stellen Fragen nach der Zukunft und dem Wert von Erwerbsarbeit für unsere Gesellschaft. Sie zeigen globale Verbindungen zwischen den verschiedensten Lebens- und Arbeitswelten und die internationalen Verflechtungen von Großkonzernen. Und sie geben Denkanstösse für mögliche Formen des Zusammenlebens in einer Gesellschaft, deren Erscheinungsbild nicht zuletzt vom Engagement und von der Solidarität des Einzelnen abhängen.




Das bundesweite Filmfestival reist ab November 2006 durch 80 deutsche Städte (zum Spielplan). Bis zum Frühjahr 2007 nehmen Multiplex-, Programm- und kommunale Kinos teil. Jeder einzelne Dokumentarfilm weist einen eigenen Kooperationspartner aus dem Bereich der Nichtregierungsorganisationen (NGO) und der sozialen Verbände und Institutionen auf, die auf Sonderveranstaltungen ihre Arbeit vorstellen.

Nach jeder Filmvorführung gibt es Gesprächsangebote mit Experten zu den Themen der jeweiligen Dokumentation."
[aus: die gesellschafter]

Metropolis

Gerne als Mutter aller Scienc-Fiction popularisiert.
Neben all dem hype, der in seiner Form wohl immer auch etwas abschreckendes, weil verklärendes hat, bleibt Fritz Langs Werk großartig.
Die Moderne bricht in Form der technischen Revolution in die Gesellschaft des frühen 20. Jahrhunderts ein. Lang verarbeitet Ängste und Visionen und schafft eine Filmwirklichkeit an der man sich orientieren wird.
Es irren zahlreiche edits des Klassikers herum, er bleibt in seiner Utopie lebendiges Kulturgut.



Fritz Lang nimmt im Film vorweg was uns auch heute stark beschäftigt. Der Automatenmensch, über den man schon bei E.T.A Hoffmann lesen kann, bekommt hier die Hauptrolle, die ihm bei Hoffmann noch verwehrt war.

Science-Fiction erzählt am Horizont der Realität.



Manch einer sagt auch Evolution dazu.



Julias Lied in der Nacht

Nacht umhüllt
Mit wehendem Flügel
Täler und Hügel
Ladend zur Ruh’.

Und dem Schlummer
Dem lieblichen Kinde,
Leise und linde
Flüstert sie zu:

„Weißt du ein Auge,
Wachend im Kummer,
Lieblicher Schlummer,
Drücke mir’s zu!“

Fühlst du sein Nahen?
Ahnest du Ruh?
Alles deckt der Schlummer,
Schlumm’re du, schlumm’re auch du.